BOCKKäFER, Bockkäfer
Rosalia alpina (Linnaeus), 1758
, Alpenbock

Verbreitung: Südliches Mitteleuropa, Süd- und Osteuropa (bis zum Ural), Krim, Kaukasus, Syrien, Palästina.
Deutschland: in montanen und subalpinen Buchenwäldern (Kalkgebiete) in Baden-Württemberg (Schwäbische Alb) und Bayern (Alpen- und Voralpengebiet). Meldungen aus anderen Bundesländern beruhen auf Verschleppung der Larven mit Buchenlangholz. Durch das Fehlen geeigneter Brutbäume tritt die Art in heutiger Zeit nur noch an wenigen Stellen zahlreicher auf. Früher war der Alpenbock wesentlich häufiger: auf der Alb (Jura-Kalk) von Tuttlingen, Immendingen bis Sigmaringen (ROTH V. SCHRECKENSTEIN 1810); auf der mittleren und östlichen Alb an vielen Orten nicht selten an anbrüchigen Buchen, namentlich Feldbuchen, in vielen Größen und abweichender Zeichnung (KELLER 1864); jedoch bereits V. D. TRAPPEN (1933) spricht von einer starken Gefährdung des Alpenbockes durch die Fällung überständiger Buchen.

Gefährdung: Rote Liste Deutschland 2 (stark gefährdet); Rote Liste Baden-Württemberg 2! (stark gefährdet, besondere Schutzverantwortung); Urwaldreliktart 2.
Intensive Forstwirtschaft führt meist dazu, dass absterbende Bäume bzw. Totholz nicht mehr geduldet wird. Auch der Umbau von Laub- in Nadelwald vernichtet den Lebensraum des Käfers. Zum Abtransport bereitgelegtes Holz wird oft zur Eiablage genutzt und die Brut endet in Sägewerken und Öfen (Fallenwirkung).
In Deutschland steht der Alpenbockes seit 1936 unter Naturschutz und ist inzwischen eine prioritäre Art des Anhangs II der FFH-Richtlinie der Europäischen Union, denn seine Vorkommen bedürfen besonderer Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen.
Seit über 20 Jahren werden am Albtrauf und im Donautal seitens der Forst- und Naturschutzverwaltung gezielte Förderungsmaßnahmen für den Alpenbock durchgeführt. Dabei wird das Brutholzangebot durch die Belassung von umgebrochenen Stämmen, die Schonung von Dürrständern oder sogar durch das aktive „Ringeln“ von Bäumen verbessert.

Lebensweise: Die Larven leben bei uns überwiegend in sonnenexponierten, anbrüchigen oder toten Buchenstämmen, seltener auch in anderen Laubhölzern (Ahorn, Ulme, Linde). Die Entwicklungszeit bis zum fertigen Käfer beträgt 3–4 Jahre. Die Imagines haben nur eine kurze Lebensdauer. Man findet sie meist auf frisch gefällten, sonnig lagernden Buchenstämmen oder Klaftern.

Nachweiszeitraum: Von Juni – August an den Bruthölzern.

Bestimmungshilfe: Länge 15–38 mm; Fühlerglieder bläulich, die mittleren an der Spitze mit einem dichten, schwarzen Haarbüschel; Flügeldecken ziemlich flach, dicht graublau behaart, an der Basis grob gerunzelt, mit zahlreichen, glänzend schwarzen Höckerchen; die markanten, samtschwarzen Flecken der Flügeldecken sind sehr variabel; sie können zusammenfließen, unterteilt sein oder ganz fehlen; die Fühler beim Männchen fast doppelt so lang, beim Weibchen etwas länger als der Körper. Eine unserer größten und schönsten Käferarten.

Literatur: TRAPPEN (1933); HORION (1974); HARDE (1966) in: FREUDE, HARDE, LOHSE Bd. 9; KÖHLER & KLAUSNITZER (1998); GEISER (1998); FRANK & KONZELMANN (2000); BENSE (1995); BENSE (2002).

Text: Johannes Reibnitz & Uli Bense. Seitenerstellung: 27.4.2009