CIIDAE, Schwammfresser


Die Familie der Ciidae (Schwammfresser, Hartpilzkäfer), Synonyme sind Cisidae und Cioidae, wird nach der neuen Klassifizierung der Käfer (Coleoptera) von LAWRENCE & NEWTON (1995) der Überfamilie Tenebrionidea Latreille 1802 zugeteilt. Die mitteleuropäischen Cisiden gruppieren sich dort in zwei Unterfamilien:
1) Orophinae Thomson, 1863: die Vorderhüften berühren sich innen, ein Prosternalfortsatz fehlt, Gattung Octotemnus Mell., Xylographus Mell. und Ropalodontus Mell.
2) Ciinae Leach, 1819: Vorderhüften durch einen Prosternalfortsatz getrennt, Gattung Wagaicis Lohse, Sulcacis Dury, Cis Latr., Ennearthron Mell., Hadreule Thoms. und Diphylocis Rtt.
In Deutschland sind aktuell 42 Arten nachgewiesen, in Südwestdeutschland 39.

Zur Familie der Ciidae zählen kleine (1-4 mm), überwiegend walzenförmig gebaute, braune bis schwarze, einander teilweise sehr ähnliche Arten. Durch ihren speziellen Fühler- und Tarsenbau (Tarsen 4-gliedrig mit stark vergrößertem Klauenglied, Fühler 8- bis 10-gliedrig, mit 3, ausnahmsweise 2 vergrößerten Endgliedern) sind sie gut kenntlich. Die meisten Arten haben eine mehr oder weniger ausgeprägte Körperbehaarung oder -beschuppung. Den Kopfschild der Männchen zieren oft Zähnchen oder Lamellen, manchmal hat auch der Halsschildvorderrand ähnliche Attribute aufzuweisen. Das erste Bauchsegment trägt vielfach eine nabel- oder u-förmige, in der Regel behaarte Auszeichnung („Warze“). An diesen geschlechtspezifischen Merkmalen, von denen mindestens eines immer vorhanden ist, sind die Männchen gut von den Weibchen abzugrenzen. Wichtige Bestimmungsmerkmale sind: Anzahl der Fühlerglieder, Ausbildung der Vorderschienenspitze, Breite bzw. Einsehbarkeit der Halsschildseitenrandung, Körperproportionen, Punktierung und Beschuppung. Die sekundären Geschlechtsmerkmale der Männchen (Kopfschild- und Halsschildbezahnung, Auszeichnung auf dem 1. Sternit) können bei der Determination einiger Arten recht hilfreich sein.

Die Larven sind weichfleischig, langgestreckt zylindrisch, weiß bis gelblich und teilweise beborstet. Kopf, Mundwerkzeuge, Klauen, die drei letzten Hinterleibstergite und die auf dem 9. Abdominalsegment entspringenden Urogomphi sind mehr oder weniger stark sklerotisiert. Jederseits der Kopfkapsel befinden sich 2–5 Stemmata. Die drei Beinpaare sind gut entwickelt und eignen sich bei vielen Arten auch zur Fortbewegung außerhalb des Brutsubstrates. Die dem Abdominaltergit entspringenden Urogomphi sind sehr charakteristisch gestaltet (Anzahl, Anordnung, Form), so daß sie hervorragend zur Artentrennung herangezogen werden können. Wichtig ist auch die unterschiedlich ausgebildete Sklerotisierung der letzten drei Tergite.

Frisch geschlüpfte Imagines, zumindest der häufigeren Arten, kann man vom Frühjahr bis in den Herbst hinein finden. Der Entwicklungszyklus ist demnach nicht starr reglementiert. Nach SCHERF (1966) dauert die Entwicklung von Cis nitidus (F.) von der Eiablage bis zum fertigen Käfer bei Zimmertemperatur ca. 4 Monate. Larven und Käfer (wahrscheinlich aller Arten) überwintern, meist in ihrem angestammten Brutsubstrat oder im mürben Holz direkt darunter, manchmal auch unter morschen Rinden.
Die Ciiden sind, wie der deutsche Name „Schwammfresser“ deutlich ausdrückt, echte Pilzkäfer, also mycetophag, die ihr ganzes Leben, sieht man einmal von der Schwärmzeit ab, in Baumschwämmen oder (seltener) in verpilztem Holz oder unter pilzigen Rinden verbringen. Larven als auch Käfer ernähren sich gleichermaßen vom Pilzsubstrat. In manchen Pilzarten leben mehrere Cisiden-Spezies oft in großen Individuenzahlen zusammen, andere dagegen sind nur von einem Brutspezialisten bewohnt. Es werden nadel- als auch laubholzzersetzende Schwämme bebrütet. Dabei spielen Baumpilze mit einer zähen (z.B. Coriolopsis, Trametes) bis harten (z.B. Fomitopsis, Fomes) Fruchtkörperkonsistenz eine weit größere Rolle, als weichfleischigere (z.B. Laetiporus, Polyporus). Auch das Nahrungsangebot der weniger auffälligen, nur mit kleinen Hüten ausgestatteten oder größtenteils nur krusten- oder polsterförmig wachsenden Rinden- und Schichtpilzen (Peniophora, Stereum, Lopharia, Radulomyces) wird von einigen Spezialisten unter den Schwammfressern genutzt.

Literatur: HORION (1961); LOHSE (1967) in: FREUDE, HARDE, LOHSE Bd. 7; REIBNITZ (1999).

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