BUNTKäFER, Buntkäfer
Tarsostenus univittatus (Rossi, 1792)


Verbreitung: Kosmopolit. West-, Ost- und Südeuropa, Kaukasus, Nord- und Südafrika, Nord-, Mittel- und Südamerika.
Nach HORION (1953) in Deutschland nicht autochthon. Den ersten südwestdeutschen Fund machte E. Wolf 1962 im Kaiserstuhl. Ab 1990 gelangen K.U. Geis eine Reihe Freiland-Nachweise in Südbaden. Erstfunde: 2004, Pfalz, Seiler leg.; Württemberg, Reibnitz (2006) und Flindt (2007). T. univittatus scheint sich demnach in Südwestdeutschland etabliert zu haben.

Gefährdung: Rote Liste Deutschland -, 1997 noch als importiert eingestuft. Rote Liste Baden-Württemberg D ! (Daten defizitär; besondere Schutzverantwortung).

Lebensweise: Thermophile Art; Imagines und Larven verfolgen die an bzw. in trockenem Holz lebenden Splintholzkäfer (Lyctidae) der Gattung Lyctus und Trogoxylon impressum (siehe Lyctidae-Steckbrief); synanthrop in Schreinereien und Holzhandlungen; in Südbaden im Freiland auf Klafterholz (Traubeneiche, Roteiche, Robinie, Kirsche, Platane), immer zusammen mit zahlreichen Lyctiden; in Württemberg in dürren Weinreben zus. mit den oben genannten Lyctiden.
Über Fortpflanzung und Jagdverhalten von Tarsostenus berichtet GEIS (1997): „Beobachtete Imagines liefen auf der Suche nach eiablegenden oder umherlaufenden Splintholzkäfern (Lyctus brunneus, L. cavicollis, T. impressum) einzeln auf den Holzoberflächen umher und suchten dabei auch in möglichen Verstecken (Holzspalten, -unterseiten, Schlupflöcher) nach Beute. Auf Holzoberflächen verweilende Beutetiere wurden mit den Fühlern erwittert und nach vorsichtiger Annäherung (Innehalten, Umkreisen der Beute und längeres Verweilen in Beutenähe ohne Zugriff) blitzschnell von der Seite her oder von hinten angesprungen. Nach einem Tötungsbiß zwischen Kopfkapsel und Prothorax, manchmal auch zwischen Pro- und Mesothorax des überfallenen Lyctiden, wurde sofort mit dessen Verzehr begonnen. Dazu benötigten die beobachteten Tarsostenus-Imagines jeweils etwa 25 bis 60 Minuten. Der Fraß beschränkte sich auf das weiche Innere des Abdomens und des Prothorax und begann immer dorsalseitig, nachdem zunächst die Elytren und Alae des Lyctiden geöffnet oder ganz entfernt worden waren. Von den verzehrten Lyctiden blieben als charakteristische Überreste die nur noch lose am Rumpf hängenden Kopfkapseln, die ausgefressenen Prothoraxe und die ebenfalls völlig ausgeschabten ventralen Segmente der Abdomina übrig; manchmal hingen den Lyctidentorsi die gespreizten Flügeldecken und Hautflügel noch an.“

Nachweiszeitraum: Juni – Oktober.

Bestimmungshilfe: Länge 4–5 mm; Kopf groß, breiter als der ungerandete, längliche Halsschild, dieser mit längsfurchenartiger Vertiefung; Fühler schlank, mit lockerer dreigliedriger Keule; Flügeldecken grob punktiert, mit gelblicher Querbinde; Körper schmal, zylindrisch, schwarzbraun bis braun, glänzend, rau behaart.

Literatur: HORION (1953); WOLF (1963); LOHSE (1979) in: FREUDE/HARDE/LOHSE Bd. 6; GEIS (1997); GEIS (2001); BENSE (2002); NIEHUIS & SEILER (2004); REIBNITZ (2007); FLINDT (2007).

Text: Johannes Reibnitz. Seitenerstellung: 6.2.2006